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Ein Ort, an dem Holz seit 165 Jahren gebogen wird

Seit 165 Jahren entstehen in Bystřice pod Hostýnem Bugholzmöbel – am selben Ort, mit derselben Technologie und in einer Kontinuität, die in der europäischen Möbelherstellung ihresgleichen sucht.

Das Biegen von Holz war hier niemals Dekoration oder eine nostalgische Geste. Von Anfang an ging es um Technologie – um die Suche nach Leichtigkeit, Stabilität, Effizienz und langer Lebensdauer. Genau dieser Ansatz ermöglichte die Entstehung ikonischer Stühle, die zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags wurden – oft so selbstverständlich, dass wir uns ihres Ursprungs gar nicht bewusst sind.

Dieses Dokument kehrt zu den Grundlagen zurück: zu dem Ort, an dem Bugholzmöbel seit 1861 entstehen, zu den Menschen, die ihr Wissen von Generation zu Generation weitergeben, und zu den Entscheidungen, dank derer diese Technologie auch heute noch Sinn hat.


4. Die Ankunft des Modernismus
(1918-1930):

Bugholzmöbel erhielten in Form avantgardistischer Stahlmöbel einen bedeutenden Konkurrenten. Mit deren innovativer Konstruktion traten in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre Architekten und Designer wie Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe und andere hervor.

Sie präsentierten eine völlig neue Art des Sitzens, die schon bald nicht nur die gesamte europäische Avantgarde begeisterte, sondern auch in das Sortiment des Konzerns THONET-MUNDUS aufgenommen wurde. Stahlmöbel für die französische Division von Thonet wurden auch von den in Paris tätigen Architekten Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand entworfen. Obwohl Le Corbusier Visionen des progressiven modernen Wohnens vertrat, glaubte er zugleich an zeitloses Design und bewährte Formen, die für ihn eine Vollkommenheit darstellten, die keiner weiteren Verbesserung bedurfte.

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3. Bugholz erobert die Welt (1861-1918):  

Die Möbelfabrik in Bystřice pod Hostýnem beschäftigte im Jahr 1913 mehr als zweitausend Mitarbeiter, die in der Lage waren, jährlich über eine halbe Million Stühle zu produzieren. Das meistverkaufte Modell war selbstverständlich der Stuhl Nr. 14.

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2. Eine geniale Idee
(1841–1861):

Obwohl Michael Thonet zahlreiche Vorgänger und Konkurrenten hatte, gelang es ihm ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, die industrielle Fertigung und den internationalen Handel mit Sitzmöbeln maßgeblich zu prägen. Auf Basis der revolutionären Technik des Biegens von Buchenholzstäben entstand ein völlig neuer Industriezweig.

Michael Thonet erkannte, dass die Verarbeitung gebogener Buchenstäbe deutlich größere gestalterische und konstruktive Möglichkeiten bot als die Arbeit mit gebogenem Schichtholzfurnier. Durch das Dämpfen ließen sich die Stäbe leicht in Form bringen und mithilfe eines Metallbandes in der gewünschten Krümmung fixieren, ohne zu brechen. Die Umgebung von Bystřice pod Hostýnem erwies sich als idealer Standort für den Aufbau und die Expansion seines Unternehmens: reichhaltige Buchenwälder, kostengünstige Arbeitskräfte und die Nähe zur Eisenbahn boten optimale Voraussetzungen für Produktion und Vertrieb.

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Der Stuhl Nr. 14 veränderte die Geschichte des modernen Möbeldesigns. Er wurde zur absoluten Essenz von Einfachheit, Wirtschaftlichkeit und Eleganz – Eigenschaften, die erst durch die Technologie des gebogenen Holzes möglich wurden. Obwohl eine ähnliche Stuhlform bereits zuvor von der Wiener Firma Danhauser vorgestellt worden war, passte Michael Thonet – wie auch bei anderen Modellen – den Stuhl Nr. 14 an die industrielle Serienproduktion an. Ende der 1860er-Jahre war seine Herstellung zur Perfektion entwickelt worden.


1. Die Geburt einer Legende
(1819–1841):

Im 19. Jahrhundert veränderten sich mit dem Aufkommen der Industriellen Revolution und der Arbeitsteilung die Herstellungsprozesse grundlegend – auch in der Möbelproduktion, die dank genialer technischer Erfindungen in die Massenfertigung überging. Ab 1861 betraf dies auch die kleine mährische Stadt Bystřice pod Hostýnem.

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Das bedeutendste von Thonets frühen Bugholzprodukten wurde der sogenannte Bopparder Stuhl. Sein Konzept entstand um 1836 und basierte auf dem Biegen von laminiertem Furnier. Thonet war jedoch keineswegs der Erste, der diese Technik einsetzte – gebogenes Furnier wurde bereits drei Jahrzehnte zuvor von Pionieren wie Jean-Joseph Chapuis und Samuel Gragg im Möbelbau verwendet. Thonet perfektionierte jedoch die Technik des laminierten Holzes.


Buch ±160 Jahre

Das tschechisch-englische Buch ±160 Jahre beschreibt auf 259 Seiten die historischen und gesellschaftlichen Ereignisse, die die Entwicklung der Bugholzmöbel aus Bystřice pod Hostýnem geprägt haben. Diese aufwendig gestaltete Publikation wurde vom tschechischen Kunstkurator Adam Štěch verfasst und mit Unterstützung von Ton herausgegeben.

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Adam Štěch

Autor des Buches
Adam Štěch

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