Michael Thonet, einer der größten Design- und Unternehmensvisionäre der Moderne.
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Die Geschichte beginnt im Jahr 1796 mit der Geburt Michael Thonets im rheinischen Boppard. Er gilt bis heute als einer der bedeutendsten Design- und Unternehmensvisionäre der Moderne. Nach seiner Ausbildung zum Tischler gründete Thonet 1819 seine eigene Werkstatt. Getrieben von den sich wandelnden Trends seiner Zeit, begann er früh mit gebogenem Holz zu experimentieren – das wichtigste Ergebnis dieser Jahre war der ikonische Bopparder Stuhl. Der entscheidende Wendepunkt folgte 1841: Auf einer Ausstellung in Koblenz erregten Thonets Bugholzmöbel die Aufmerksamkeit des österreichischen Staatskanzlers Fürst von Metternich. Auf dessen persönliche Einladung hin übersiedelte Thonet nach Wien – eine Stadt, die damals das ideale Fundament für den Aufbau eines globalen Möbelimperiums bot.
Im Jahr 1853 übertrug Michael Thonet das Unternehmen an seine Söhne und
benannte es in Gebrüder Thonet um. Nur drei Jahre später folgte ein
strategischer Meilenstein: Er gründete in Koryčany – auf dem Gebiet der
heutigen Tschechischen Republik – die erste Fabrik, die von den reichen
Buchenholzbeständen der Region profitierte.
Dort wurden Holzstäbe unter Einwirkung von heißem Dampf und mit purer
menschlicher Kraft gebogen. Diese revolutionäre Technologie veränderte den
Charakter moderner Möbel grundlegend: Sie markierte den Übergang von der
aufwendigen Einzelfertigung teurer Luxusobjekte hin zur effizienten
Serienproduktion. Dieser Schritt gilt heute als eine der bedeutendsten
technologischen Neuerungen und als die Geburtsstunde des modernen
Industriedesigns. Die Nachfrage nach diesen visionären Möbeln war so gewaltig,
dass Thonet bald expandieren musste. So legte er im Jahr 1861 den Grundstein
für eine weitere Fabrik in Bystřice pod Hostýnem – dem Ort, der heute das
Herz und der Sitz der Marke Ton ist.
Der Bopparder Stuhl ist der Höhepunkt von Thonets frühem Schaffen aus der Zeit
vor seinem Umzug nach Wien.
Das erste Katalogblatt aus dem Jahr 1859
mit Abbildungen der einzelnen Modelle,
einschließlich des Stuhls Nr. 14.
Was als Herausforderung beim Biegen von Furnierbündeln begann, führte Michael Thonet zu seiner bedeutendsten Erfindung: dem Biegen von massivem Buchenholz. Er erkannte, dass sich das Brechen der gedämpften Stäbe durch den Einsatz eines Stahlbands konsequent verhindern ließ – eine Entdeckung, die den Möbelbau für immer veränderte. Nach seinem Tod im Jahr 1871 wurde diese Vision zur Mission seiner Söhne. Jakob, Josef, August, Michael der Jüngere und Franz knüpften nahtlos an die Erfahrungen und bahnbrechenden Ideen ihres Vaters an und wurden zur entscheidenden treibenden Kraft des Unternehmens.
Der Stuhl Nr. 14 verkörpert die Essenz der Bugholzmöbel in ihrer reinsten Form: Wirtschaftlichkeit, Einfachheit und zeitlose Eleganz. Während die Grundform bereits um 1820 durch die Marke Danhauser bekannt war, gelang Michael Thonet im Jahr 1859 in der Fabrik in Koryčany das Meisterstück – die Anpassung dieses Entwurfs an die industrielle Serienfertigung.
Die Konstruktion ist ein Paradebeispiel für minimalistisches Design. Lediglich sechs gebogene Komponenten, acht Schrauben und zwei Muttern bilden zusammen einen der berühmtesten und erfolgreichsten Stühle der Designgeschichte. Diese radikale Reduktion ermöglichte nicht nur eine effiziente Produktion, sondern auch den weltweiten Versand in Einzelteilen – ein Vorläufer des modernen Möbeldesigns.
