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Mit Suavida übersetzt das spanische Designstudio Ramos & Bassols die traditionsreiche Bugholzkompetenz von Ton in einen zeitgemäßen Polstersessel. Anstatt bestehende Formen zu reproduzieren, suchten die Designer nach einer subtileren Verbindung zur DNA des Unternehmens. Die charakteristische, fließende Linienführung des Bugholzes findet sich dabei in der weichen Polsterung, den feinen Kederdetails und den sorgfältig ausgearbeiteten Rundungen des Sessels wieder.
Wir haben mit Ramos & Bassols über die Entstehung von Suavida gesprochen – über die Inspiration hinter dem Entwurf, die Bedeutung von Prototypen in ihrem Designprozess und darüber, wie die enge Zusammenarbeit mit Ton den finalen Entwurf geprägt hat.
Als Ton auf uns zukam, begannen wir sofort, uns mit der Geschichte des Unternehmens und insbesondere mit seiner traditionsreichen Bugholzfertigung auseinanderzusetzen. Uns war wichtig, dass sich dieses Erbe im Entwurf widerspiegelt. Gleichzeitig wollten wir nicht einfach bestehende Formen aus der Vergangenheit übernehmen, sondern zunächst verstehen, für wen wir entwerfen und welche Aspekte der Marke wir hervorheben möchten.
Bugholz ist fest in der DNA von Ton verankert. Gleichzeitig steht das Unternehmen für zeitgenössisches Möbeldesign. Wir wollten, dass der Sessel an diese Geschichte erinnert und zugleich klar in der Gegenwart verwurzelt bleibt – also etwas Avantgardistisches und Zeitgemäßes schaffen, das dennoch eng mit dem verbunden ist, was die Marke wirklich ausmacht.
Wir wollten subtil auf Bugholz verweisen – ein charakteristisches und traditionsreiches Element von Ton. Die Herausforderung bestand darin, diese Formensprache in den Sessel zu übertragen, ohne die Bugholztechnik direkt einzusetzen.
Das Briefing sah einen niedrigen Polstersessel vor, bei dem das Holz selbst weitgehend verschwindet. Deshalb mussten wir einen anderen Weg finden, sein Wesen zum Ausdruck zu bringen. Eine wichtige Referenz war für uns der Sessel 811, insbesondere die Art und Weise, wie seine geschwungenen Formen Freiräume schaffen und zugleich die Silhouette des Sessels definieren.
Wir begannen uns zu fragen, ob sich diese Freiräume mit Polsterung füllen ließen und ob wir aus diesem Prinzip etwas Eigenständiges und Neues entwickeln könnten. So entstand nach und nach die Idee, die charakteristische Leichtigkeit und Linienführung des Bugholzes in eine weiche, gepolsterte Form zu übersetzen.
Besonders spannend fanden wir die Verbindungsstellen zwischen den Holzelementen traditioneller Sessel von Ton. Zunächst überlegten wir, diese Idee durch Nähte aufzugreifen. Doch eine klassische Naht erschien uns zu zurückhaltend. Wir wollten diesem Detail mehr Präsenz verleihen und entwickelten deshalb die Kedernaht.
Sie wurde zu einem gestalterischen Mittel, um die charakteristischen Linien des Bugholzes in die Polsterung zu übertragen. Durch ihre klare Linienführung und Präsenz wird sie zu einem prägnanten Element, bleibt dabei aber zugleich ganz selbstverständlich mit der Welt der Polstermöbel verbunden.
In gewisser Weise wurde die Kedernaht zum Wesenskern des Sessels. Sie übernimmt die Rolle, die bei traditionellen Entwürfen das gebogene Holz einnimmt, und erinnert damit an zeitlose Klassiker. Gleichzeitig übersetzt sie deren charakteristische Formensprache unmittelbar in die weiche Polsterung von Suavida.
Sehr wichtig. Der Sessel zeichnet sich durch stark gerundete, weiche und sanfte Formen aus. Es gibt keine harten Kanten, scharfen Linien oder abrupten Übergänge. Noch bevor man sich hineinsetzt, vermittelt die Form selbst bereits ein Gefühl von Komfort und Geborgenheit.
Uns war wichtig, dass der Sessel bequem ist, diesen Komfort aber auf subtile Weise zum Ausdruck bringt. Die einzelnen Elemente treffen im oberen Bereich mit einer gewissen Eleganz und einer sanft geschwungenen Linienführung aufeinander, anstatt den Komfort zu offensichtlich in den Vordergrund zu stellen. Der Name Suavida – eine Verbindung aus „suave“ und „vida“ – bringt genau diese Idee zum Ausdruck.
„Die Kedernaht wird zu einer neuen Art, den Charakter von Formholz durch die
Polsterung zum Ausdruck zu bringen."
Ramos & Bassols
Der Sessel hat sich im Laufe des Entwicklungsprozesses deutlich verändert, vor allem in seinen Proportionen. Die erste Version war als großzügig dimensionierter Sessel konzipiert. Im weiteren Verlauf entwickelten wir eine kompaktere Silhouette und experimentierten mit verschiedenen konstruktiven Details, die dem fertigen Sessel letztlich einen ganz anderen Charakter verliehen als dem ursprünglichen Konzept.
Die zentrale Idee blieb jedoch während des gesamten Prozesses unverändert.
Wir haben zahlreiche Details angepasst – von der Sitztiefe über die Neigung und Höhe der Rückenlehne bis hin zur Höhe der Armlehnen und der Gesamtbreite. Auf den ersten Blick mögen der erste Prototyp und der fertige Sessel recht ähnlich wirken, doch technisch liegen zwischen beiden zahlreiche Unterschiede.
Eine der größten Herausforderungen war die Kedernaht. Sie exakt der Form des Sessels folgen zu lassen, wie wir es uns vorgestellt hatten, war nicht einfach. An diesem Punkt wurde die Fertigungskompetenz von Ton besonders wichtig. Die enge Zusammenarbeit und das technische Know-how des Unternehmens waren entscheidend dafür, diese Idee in der gewünschten Präzision umzusetzen.
Physische Prototypen spielen in unserem Entwurfsprozess eine zentrale Rolle. Wann immer möglich, versuchen wir, uns vom Computer zu lösen, denn digitale Darstellungen können die Wahrnehmung von Proportionen und räumlichen Zusammenhängen beeinflussen. Gerade bei einem Möbelstück wie Suavida ist es entscheidend, den Entwurf tatsächlich vor sich zu haben und seine Wirkung unmittelbar beurteilen zu können.
Während der Entwicklung von Suavida haben wir intensiv mit verkleinerten Modellen gearbeitet. Wenn es der Prozess zulässt, bevorzugen wir jedoch Modelle im Maßstab 1:1. Sie ermöglichen es uns, Proportionen, Materialien, Details und vor allem die Gesamtwirkung eines Entwurfs unmittelbar zu erfassen.
Ein Rendering kann dabei eine wertvolle Ergänzung sein und bestätigen, dass die eingeschlagene gestalterische Richtung funktioniert. Umgekehrt ist das jedoch nicht immer der Fall: Ein Entwurf kann digital überzeugend wirken und sich in der Realität dennoch als nicht stimmig erweisen.
Deshalb steht für uns das physische Produkt immer an erster Stelle. Das Rendering dient der visuellen Überprüfung und Kommunikation einer Idee, während der Prototyp zeigt, ob diese Idee tatsächlich funktioniert – in ihren Proportionen, ihrer Materialität und in jedem noch so kleinen Detail.
Von Anfang an war es uns wichtig, keinen Sessel zu entwerfen, der auf eine einzige Ausführung festgelegt ist. Wir haben die Sitzschale bewusst so konzipiert, dass sie mit unterschiedlichen Gestellvarianten kombiniert und dadurch an verschiedene räumliche und funktionale Anforderungen angepasst werden kann.
Sobald Sitz, Rückenlehne und Armlehnen definiert waren, konnten wir den Entwurf auf dieser Basis in unterschiedlichen Varianten weiterentwickeln. Diese Flexibilität entspricht auch den Anforderungen des Marktes, denn Suavida lässt sich selbstverständlich in ganz unterschiedlichen Umgebungen einsetzen – vom privaten Wohnbereich bis hin zu Hotel- und Gastronomieprojekten.
Die verschiedenen Gestelle verleihen dem Sessel jeweils einen eigenen Charakter. Die Variante mit vier Holzbeinen eignet sich besonders für Wohnbereiche sowie für den Einsatz in Hotellerie und Gastronomie und knüpft zugleich an die handwerkliche Tradition von Ton an. Das Zentralfußgestell hingegen verleiht Suavida eine modernere, zeitgemäße und zugleich skulpturale Anmutung.

Wir teilen den kreativen Prozess nicht strikt untereinander auf. Einer von uns bringt eine Idee ein, die zunächst unabhängig weitergedacht wird, bevor wir sie gemeinsam weiterentwickeln. Jeder Vorschlag durchläuft dabei gewissermaßen den Filter des anderen. Diese zweite Perspektive kann einem Entwurf eine neue Richtung geben, ihn weiter voranbringen oder manchmal auch zeigen, dass es sinnvoll ist, einen Schritt zurückzugehen.
Oft erkennt die Person, die eine Idee entwickelt, selbst noch nicht genau, welches Potenzial darin steckt. Dann kann der andere plötzlich sagen: „Moment, das ist gut. Darauf sollten wir uns konzentrieren.“ Diese objektive Perspektive ist für unseren Prozess sehr wertvoll.
Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack, was die Zusammenarbeit erleichtert, bringen aber gleichzeitig unterschiedliche Sichtweisen ein. Wenn man lange an einem Entwurf arbeitet, verliert man unweigerlich ein Stück weit die Distanz. Der Blick des anderen auf dieselbe Idee kann dann wie ein Katalysator wirken und neue Möglichkeiten eröffnen.
Das technische Team von Ton verfügt über ein außergewöhnlich fundiertes Wissen in der Holzverarbeitung und über langjährige Erfahrung mit den entsprechenden Fertigungsverfahren. Gleichzeitig besteht ein großes Verständnis für die gestalterische Idee. Änderungen werden nicht einfach vorgenommen, sondern stets gemeinsam besprochen und weiterentwickelt.
Das Zentralfußgestell ist dafür ein gutes Beispiel. Einige Details hatten wir bewusst offen gelassen, und Ton entwickelte daraus eine eigene technische Lösung. Als wir das Ergebnis sahen, war schnell klar, dass dieser Ansatz den Entwurf sehr gut ergänzt und ihm eine zusätzliche Qualität verleiht.
Genau diese Verbindung aus gestalterischer Idee und technischem Know-how macht die Zusammenarbeit so wertvoll. Es ist eine große Freude, mit einem Team zu arbeiten, das die Möglichkeiten der Fertigung so genau kennt und gleichzeitig versteht, wie wichtig es ist, die ursprüngliche Designidee zu bewahren. Diese Erfahrung und Präzision sind im fertigen Produkt deutlich spürbar.
Das gesamte Projekt begann mit dieser Frage. Wir wollten nicht einfach nur ein weiteres Produkt entwerfen. Wir wollten etwas für die heutige Welt schaffen und dabei das Wissen und die Identität nutzen, die Ton auszeichnen.
Die Herausforderung bestand darin, sicherzustellen, dass dieses Erbe bei der Entstehung von etwas Neuem nicht verloren geht.
Suavida ist daher keine Reproduktion eines traditionellen Bugholzsessels. Der Sessel ist eine zeitgenössische Interpretation derselben Formensprache, übersetzt in Polsterung, Rundungen und Details, die einer anderen Zeit angehören.
Zunächst hoffen wir, dass sie ihn als ausgesprochen komfortabel empfinden. Gleichzeitig gefällt uns das Zusammenspiel aus klassischen Anklängen und einer zeitgenössischen Formensprache. Suavida hat etwas Vertrautes und leicht Klassisches, wirkt durch seine klaren, reduzierten und weichen Formen zugleich sehr modern. Dadurch lässt er sich selbstverständlich in unterschiedlichste zeitgenössische Interieurs integrieren.
Letztlich wünschen wir uns vor allem, dass man sich in Suavida gerne aufhält – vielleicht ein oder zwei Stunden darin sitzt und beim Aufstehen bereits daran denkt, sich am liebsten gleich wieder hineinzusetzen.
"Ramos & Bassols ist ein Design-Duo aus Barcelona, gegründet von David Ramos und Jordi Bassols. Ihre Arbeit umfasst Leuchten, Tischwaren und Möbel für den Wohn- und Arbeitsbereich. Ihre Designs zeichnen sich durch klare Linien, eine zeitgemäße Anmutung und einen Fokus auf Funktionalität aus, ergänzt durch ein Gefühl für Natürlichkeit und Individualität. Das Studio wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Red Dot Award und der NYCxDESIGN Award."