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Die Gründung der Bugholzmöbelfabrik in Bystřice pod Hostýnem markierte den Beginn einer glanzvollen Ära für Gebrüder Thonet. Das Unternehmen wandelte sich stetig zu einer globalen Marke – einer der ersten ihrer Art weltweit. In den Fabriken in Koryčany, Bystřice pod Hostýnem und Vsetín, aber auch im polnischen Radomsko und im deutschen Frankenberg, entstanden täglich tausende moderner Stühle. Thonet-Stühle eroberten nahezu jeden Winkel der Erde. Sie schmückten die Säle renommierter Universitäten, exklusive Modehäuser, erstklassige Restaurants und elegante Salons. Gegen Ende dieser Epoche beschäftigte allein das Werk in Bystřice pod Hostýnem rund 2.000 Mitarbeiter und erreichte eine beeindruckende Jahresproduktion von fast 500.000 Stühlen.
Thonet-Stühle wurden zum Synonym für zeitgemäßes Wohnen und zum Inbegriff
einer wirtschaftlichen, dezenten Eleganz. Michael Thonet, der zu dieser Zeit in
Mähren lebte, blickte mit berechtigtem Stolz auf sein stetig wachsendes
Möbelimperium. Sein Schaffen wurde vielfach gewürdigt, unter anderem durch die
Aufnahme in den Franz-Joseph-Orden.
Als Michael Thonet im Jahr 1871 verstarb, hinterließ er das Unternehmen seinen
fünf Söhnen Jakob, Josef, August, Michael dem Jüngeren und Franz. Unter den
Brüdern erwies sich der mittlere Sohn August als besonders tatkräftig: Neben
seinen unternehmerischen Aufgaben engagierte er sich leidenschaftlich im
politischen und kulturellen Leben der Region. Er wurde Bürgermeister von
Bystřice pod Hostýnem und vertrat die Interessen seiner Heimat als
Abgeordneter im Mährischen Landtag.
Im Jahr 1861 gründete Michael Thonet in Bystřice pod Hostýnem seine zweite Fabrik. Was zunächst als spezialisierte Fertigungsstätte exklusiv für den Stuhl Nr. 14 begann, entwickelte sich rasch zum bedeutendsten Produktionsstandort im weit verzweigten Geschäftsimperium der Familie Thonet.
Die strategische Lage inmitten der Buchenwälder und die Innovationskraft vor Ort machten das Werk zum pulsierenden Zentrum, in dem Handwerk und industrielle Perfektion auf einzigartige Weise verschmolzen.
Eines der berühmtesten Zeugnisse für Thonets Innovationskraft war zweifellos
jener experimentelle Stuhl, der eigens für die Weltausstellung 1867 in Paris
entworfen wurde. Gefertigt aus nur zwei durchgehenden Bugholzstäben, diente
dieses außergewöhnliche Stück den Unternehmensvertretern dazu, die damals
unglaublichen technologischen Möglichkeiten des Biegens zu demonstrieren.
Thonets Vertrauen in die eigene Technik war grenzenlos, wie historische
Aufnahmen belegen. Ein bekanntes Foto zeigt zwei Arbeiter, welche die enorme
Belastbarkeit der Konstruktion unter Beweis stellen: Sie wippen gemeinsam auf
einer Holzplanke, die über einem Thonet-Stuhl liegt, um dessen unerreichte
Stabilität und Flexibilität zu testen.
Nach der ersten Phase der dynamischen Expansion begann im Jahr 1875 das goldene Zeitalter des Hauses Thonet. Bis zum Jahr 1913 war die Belegschaft auf eine beeindruckende Größe angewachsen: Allein in der Fabrik in Bystřice pod Hostýnem – dem größten aller Produktionskomplexe – waren über 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Betrachtet man das gesamte Unternehmen mit all seinen Standorten, so zählte Thonet in dieser Blütezeit knapp 6.800 Angestellte. Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens, sondern auch seine Rolle als einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region.
Jiří Uhlíř gilt als einer der bedeutendsten Experten für Thonet-Möbel in Tschechien. Seit den 1980er-Jahren widmet er sich mit großer Leidenschaft dem Sammeln historischer Stücke und hat als Autor maßgebliche Publikationen über das Phänomen der Bugholzmöbel verfasst.
Wir besuchten Jiří Uhlíř in seiner Wohnung in Újezd u Brna und sprachen an seinem Esstisch – natürlich auf einigen seiner wertvollen Sammlerstücke sitzend – über die Faszination Thonet.