Ich bin vernarrt in Stühle
-
Veröffentlicht von
16 Jun, 2026 - Text von
-
373 Wörter
2 minutes
Alexander Gufler mit dem Merano Chair – aktuell auch im Rahmen der Ausstellung Scisciorè zu sehen – hat er für die tschechische Möbelmanufaktur Ton einen Stuhl entworfen, der heute weltweit in Hotels, Restaurants und Privathäusern zu finden ist. Tatsächlich gilt er als einer der erfolgreichsten und meistkopierten Holzstühle der vergangenen Jahre. Guflers Arbeiten wurden mit zahlreichen internationalen Designpreisen ausgezeichnet; von 2020 bis 2023 war er zudem Kreativdirektor von Ton.
Alexander, wie bist du zum Design gekommen?
Eigentlich tatsächlich über Umwege. Ich habe als Goldschmied im Betrieb meines Vaters begonnen und später in Pforzheim meinen Meister gemacht. Dort gibt es an der Hochschule Pforzheim eine renommierte Fakultät für Gestaltung, wodurch ich erstmals intensiver mit Design in Berührung gekommen bin. In dieser Zeit wurde mir schnell klar, dass mich nicht nur Schmuck interessiert. Parallel dazu habe ich begonnen, alte Stühle vom Sperrmüll zu sammeln und aufzubereiten. So ist mein Interesse für Möbel entstanden. Erst danach habe ich Industriedesign in Wien studiert. Während des Studiums hatte ich die Chance, beim einem der Assistenten meines Professors zu arbeiten. Er ist gelernter Tischler und hat mir den Umgang mit Holz sowie das praktische Verständnis für Material und Konstruktion nähergebracht. Das war eine prägende Zeit für mich und hat meinen Zugang zum Design stark beeinflusst.
Was hat dich am Industriedesign besonders gereizt?
Mich hat von Anfang an interessiert, wie aus einer Idee ein Produkt wird. Nicht nur der Entwurf selbst, sondern der gesamte Prozess dahinter. – Wie entwickelt man etwas gemeinsam mit einem Unternehmen? Wie bringt man ein Produkt in die Serienfertigung? Welche technischen, wirtschaftlichen und handwerklichen Faktoren spielen dabei eine Rolle? – Ein guter Entwurf muss nicht nur gut aussehen, sondern auch produzierbar sein. Deshalb ist es wichtig, die Materialien und die Maschinen zu verstehen. Auf dem Computer kann man vieles zeichnen, aber Holz bleibt ein organisches Material. Es hat Faserrichtungen, arbeitet und verhält sich nicht immer so, wie man es am Bildschirm plant. Ich glaube, eine wichtige Aufgabe von Designer:innen ist es, zwischen Idee und Produktion zu vermitteln. Genau dieses Zusammenspiel hat mich immer fasziniert.